Bevor jemand bei der Versicherung deinen Schaden sieht, liest er deine Meldung. Ist sie vollständig, sachlich und durch Belege gestützt, geht die Regulierung meist schnell. Widersprüche, Lücken oder übertriebene Angaben führen dagegen zu Rückfragen, Gutachtern und im schlimmsten Fall zur Ablehnung. Hier liest du, was in eine gute Schadensmeldung gehört, welche Pflichten du hast und wie dir eine KI beim Formulieren hilft, ohne dass du dir damit Ärger einhandelst.
Was das Gesetz im Schadenfall von dir verlangt
Das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) gibt dir nach einem Schaden ein paar Pflichten mit, die Juristen Obliegenheiten nennen. Die Versicherungsbedingungen deines Vertrags konkretisieren sie oft noch:
- Unverzüglich melden (§ 30 VVG): Sobald du von dem Schaden weißt, meldest du ihn ohne schuldhaftes Zögern. Einbruch, Diebstahl, Raub und Vandalismus zeigst du zusätzlich sofort bei der Polizei an.
- Auskunft geben und Belege liefern (§ 31 VVG): Der Versicherer darf alle Informationen und Nachweise verlangen, die er braucht, um den Schaden und seine Leistungspflicht zu prüfen.
- Schaden abwenden und mindern (§ 82 VVG): Du musst tun, was zumutbar ist, damit der Schaden nicht größer wird. Die Kosten dafür ersetzt dir der Versicherer nach § 83 VVG.
Verletzt du eine dieser Pflichten vorsätzlich, kann der Versicherer nach § 28 VVG ganz leistungsfrei werden. Bei grober Fahrlässigkeit darf er die Leistung im Verhältnis zur Schwere deines Verschuldens kürzen. Wer arglistig täuscht, also bewusst falsche Angaben macht, um mehr Geld zu bekommen, verliert seinen Anspruch in aller Regel komplett und riskiert eine Strafanzeige wegen Betrugs. Ein zu hoch angesetzter Neupreis oder ein „mitgemeldeter“ Altschaden ist deshalb nie eine Kleinigkeit.
Vor dem Schreiben: Beweise sichern
Eine gute Meldung beginnt, bevor du den ersten Satz schreibst. Fotografiere den Schaden von mehreren Seiten, einmal als Übersicht und dann im Detail. Bei einem Wasserschaden gehören auch die Ursache, etwa der geplatzte Schlauch, und der Wasserstand aufs Bild. Erst danach räumst du auf.
Beschädigte Sachen wirfst du nicht weg, bis der Versicherer zugestimmt hat, auch wenn der kaputte Fernseher im Weg steht. Notmaßnahmen sind dagegen ausdrücklich erlaubt und sogar Pflicht: Wasser abstellen, ein eingeschlagenes Fenster provisorisch verschließen, einen Notdienst rufen. Halte fest, was du wann getan hast, und hebe die Rechnungen auf.
Such dann die Belege zusammen: Kaufrechnungen, Kontoauszüge, Garantiekarten, Bedienungsanleitungen oder Fotos, auf denen die Sachen vor dem Schaden zu sehen sind. Notiere Namen und Kontaktdaten von Zeugen und das Aktenzeichen der Polizei. Nach einem Einbruch reichst du der Polizei und deinem Versicherer außerdem eine Stehlgutliste ein, also eine Aufstellung aller gestohlenen Gegenstände mit Anschaffungsjahr und Preis. Warum die Höhe der Hausratversicherung dabei eine Rolle spielt, erkläre ich im Artikel zur Unterversicherungs-Falle.
So ist eine gute Schadensmeldung aufgebaut
Viele Versicherer haben eigene Online-Formulare, bei anderen schreibst du eine E-Mail oder nutzt die App. Die Inhalte sind immer dieselben, und wenn du sie in dieser Reihenfolge parat hast, ist jedes Formular schnell ausgefüllt:
- Vertragsdaten: dein Name, deine Versicherungsnummer und die Art der Versicherung.
- Wann und wo: Datum, möglichst genaue Uhrzeit und der Ort des Schadens.
- Was ist passiert: der Ablauf in zeitlicher Reihenfolge, so wie du ihn erlebt oder vorgefunden hast. Schreib, was du weißt, und kennzeichne Vermutungen als Vermutungen.
- Was ist beschädigt: jede Sache mit Anschaffungsjahr, Kaufpreis und Art des Schadens.
- Was du schon getan hast: Notmaßnahmen, Polizeianzeige mit Aktenzeichen, beauftragte Handwerker.
- Beteiligte: Geschädigte, Zeugen und andere Versicherungen, falls bekannt.
- Anlagen: eine Liste aller Fotos, Rechnungen und Dokumente, die du mitschickst.
Schreib nüchtern. Sätze wie „Ich habe sofort alles getan“ oder „Das ist ein klarer Fall“ helfen dir nicht, konkrete Uhrzeiten und Belege schon.
Haftpflicht: Erkenne keine Schuld an
Hast du jemand anderem einen Schaden zugefügt, springt deine Privathaftpflicht ein. Sie prüft, ob und in welcher Höhe du überhaupt haftest, und wehrt unberechtigte Forderungen ab. Dafür braucht sie freie Hand.
Seit der VVG-Reform 2008 verlierst du zwar nicht mehr den Versicherungsschutz, wenn du am Unfallort deine Schuld anerkennst (§ 105 VVG). Der Versicherer zahlt aber nur das, was du nach dem Gesetz tatsächlich schuldest. Hast du dem Nachbarn mehr zugesagt, bleibst du auf der Differenz sitzen. Leiste also Hilfe, tausche Namen und Adressen aus und halte die Tatsachen fest, aber sag nicht „Ich bin schuld, ich zahle das“. Für deine Meldung gilt das genauso: Beschreib, was passiert ist, und überlass die rechtliche Bewertung dem Versicherer.
Die Schadensmeldung mit KI formulieren
Nach einem Schaden ist kaum jemand in der Stimmung, einen sauberen Bericht zu schreiben. Eine KI wie ChatGPT, Claude oder Gemini kann dir dabei helfen, aus deinen Stichpunkten einen geordneten Text zu machen. Der folgende Prompt ist so gebaut, dass die KI zuerst nach fehlenden Angaben fragt, nichts dazuerfindet und keine Schuld einräumt. Kopiere ihn, ersetze die Angaben in eckigen Klammern durch deine Stichpunkte und schick ihn ab.
KI-Prompt: Schadensmeldung formulieren
Du hilfst mir, eine Schadensmeldung an meine Versicherung zu formulieren. Versicherungsart: [z. B. Hausrat, Privathaftpflicht, Wohngebäude] Meine Stichpunkte: [Was ist wann und wo passiert? Wer war beteiligt? Was ist beschädigt? Was habe ich nach dem Schaden schon getan? Welche Fotos, Rechnungen und Belege habe ich?] Halte dich an diese Regeln: 1. Frag mich zuerst nach allem, was fehlt und was eine Versicherung typischerweise braucht: Datum, Uhrzeit, Ort, Ursache, Zeugen, Polizeiaktenzeichen, Schadenhöhe, Anschaffungsjahr und Kaufpreis der beschädigten Sachen. Schreib den Text erst, wenn ich geantwortet habe. 2. Schreib eine sachliche Schilderung in der Ich-Form und in zeitlicher Reihenfolge. 3. Erfinde nichts, übertreibe nichts und lass nichts weg. Was ich nicht weiß, schreibst du offen als unbekannt hinein. Vermutungen kennzeichnest du als Vermutungen. 4. Formuliere kein Schuldanerkenntnis und keine Einschätzung, wer haftet. Beschreib nur, was passiert ist. 5. Verwende Platzhalter wie [NAME], [ADRESSE] und [VERSICHERUNGSNUMMER] statt echter Daten. 6. Hänge am Ende eine Liste der Anlagen an. 7. Schreib schlicht und natürlich, so wie ein Mensch einen sachlichen Brief schreibt. Keine Floskeln, keine Füllsätze, keine dramatisierenden Wörter und keine typischen KI-Formulierungen. 8. Verwende keine Gedankenstriche (weder Halbgeviert- noch Geviertstrich). Trenne Gedanken mit Komma, Punkt oder einem neuen Satz.
Damit das Ergebnis brauchbar ist, beachte vier Punkte:
- Keine persönlichen Daten in den Chat: Name, Adresse, Versicherungsnummer und Kontodaten setzt du erst im fertigen Text ein, außerhalb der KI. Bei Verletzungen schreibst du nur allgemein „Prellung am Arm“, keine Diagnosen oder Befunde. In den Einstellungen der meisten KI-Dienste kannst du außerdem festlegen, dass deine Chats nicht zum Training verwendet werden.
- Jeden Satz prüfen: KI-Modelle füllen Lücken gern mit plausibel klingenden Details. Steht im Text eine Uhrzeit, die du nicht genannt hast, oder klingt der Schaden größer, als er ist, streichst du das. Unterschreiben und abschicken tust du, nicht die KI.
- Formular hat Vorrang: Gibt der Versicherer ein Formular vor, übernimmst du die passenden Abschnitte aus dem Text in die jeweiligen Felder.
- Keine Rechtsberatung: Die KI formuliert, sie prüft nicht, ob dein Vertrag den Schaden deckt. Bei Fragen zur Deckung frag mich oder deinen Versicherer.
Wie ich KI-Werkzeuge in meiner eigenen Arbeit einsetze und wo ihre Grenzen liegen, beschreibe ich im Artikel KI-Beratung vs. Expertenrat.
Wusstest du schon?
Der Versicherer muss zahlen, sobald er die nötigen Erhebungen abgeschlossen hat (§ 14 VVG). Zieht sich die Prüfung länger als einen Monat nach deiner Meldung hin, kannst du eine Abschlagszahlung in Höhe des Betrags verlangen, den er nach dem Stand der Dinge mindestens zahlen muss. Das hilft vor allem bei großen Schäden, wenn Handwerker schon Rechnungen schreiben.
Wenn dein Vertrag über mich läuft
Dann musst du das nicht allein machen. Schick mir deine Stichpunkte oder den fertigen Text per WhatsApp, E-Mail oder über die simplr-App, bevor du ihn abschickst. Ich prüfe, ob alles drin ist, was der Versicherer für die Regulierung braucht, reiche den Schaden ein und halte nach. Wie das im Einzelnen abläuft, steht im Artikel zum Schaden-Management.
Lehnt der Versicherer ab, kürzt er oder lässt er dich lange warten, kann ich zusätzlich den Leistungsservice von Maxpool einschalten. Maxpool ist der Maklerpool, über den ich arbeite, und sein Leistungsservice prüft strittige Fälle mit eigenen Schadenspezialisten. Für dich ist das kostenfrei. Ein bestimmtes Ergebnis kann niemand versprechen, aber du stehst dem Versicherer nicht allein gegenüber. Der Service gilt nur für Verträge in meinem Bestand, also für Verträge, die du über mich abgeschlossen oder in meine Betreuung übertragen hast. Wenn du deine bestehenden Verträge zu mir übertragen möchtest, schreib mir. Für dich ändert sich am Vertrag selbst dabei nichts. Was du nach einer Ablehnung selbst tun kannst, steht im Artikel Leistung abgelehnt: Widerspruch, Ombudsmann, BaFin.
Checkliste: Deine Schadensmeldung
- Hast du den Schaden unverzüglich gemeldet und bei Einbruch, Diebstahl oder Vandalismus die Polizei informiert?
- Gibt es Übersichts- und Detailfotos, bevor aufgeräumt oder repariert wurde?
- Hast du beschädigte Sachen aufbewahrt und Notmaßnahmen mit Belegen dokumentiert?
- Enthält die Meldung Datum, Uhrzeit, Ort, Ablauf, beschädigte Sachen mit Preis und eine Liste der Anlagen?
- Stimmt jeder Satz, auch wenn eine KI beim Formulieren geholfen hat, und steht nirgends ein Schuldanerkenntnis?
- Weiß dein Makler Bescheid, bevor die Meldung rausgeht?