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Brauche ich eine Haftpflichtversicherung in Deutschland?

Ein Wohnungsschlüssel, ein Mietvertrag und eine umgestoßene Tasse mit Wasserfleck auf einem Holzboden in einer frisch bezogenen Wohnung

Gesetzlich vorgeschrieben ist die private Haftpflichtversicherung in Deutschland nicht. Trotzdem fragen Vermieter danach, Kollegen wundern sich, wenn du keine hast, und fast jeder Haushalt zahlt dafür. Der Grund steht im Bürgerlichen Gesetzbuch: Wer hier einem anderen einen Schaden zufügt, haftet ohne Obergrenze. Wenn du neu in Deutschland bist, gehört die Privathaftpflicht deshalb neben der Krankenversicherung zu den ersten Verträgen, die du abschließen solltest.

Pflicht oder freiwillig? Ein Überblick

Für den Alltag als Privatperson gibt es keine Versicherungspflicht. Pflicht wird eine Haftpflichtversicherung nur in Sonderfällen:

  • Auto, Motorrad, E-Scooter: Jedes zulassungs- oder kennzeichenpflichtige Fahrzeug braucht eine Kfz-Haftpflicht. Beim E-Scooter ist das das kleine Versicherungskennzeichen, das jedes Jahr am 1. März wechselt.
  • Hund: In Berlin, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen muss jeder Hund haftpflichtversichert sein. In anderen Ländern, etwa Nordrhein-Westfalen, gilt die Pflicht für große oder als gefährlich eingestufte Hunde. Dafür brauchst du eine eigene Hundehaftpflicht.
  • Bestimmte Berufe und Tätigkeiten: Ärzte, Anwälte oder Jäger brauchen eine Berufs- oder Jagdhaftpflicht. Das betrifft dich als Angestellter in der Regel nicht.

Für alles andere, also den Radunfall auf dem Weg zur Arbeit, den Wasserschaden in der Mietwohnung oder das heruntergefallene Handy deines Kollegen, gibt es keine Pflichtversicherung. Hier kommt die freiwillige Privathaftpflichtversicherung ins Spiel.

Warum hier trotzdem fast jeder eine hat

Nach § 823 BGB musst du jeden Schaden ersetzen, den du einem anderen schuldhaft zufügst, und schon leichte Unachtsamkeit reicht dafür aus. Eine Obergrenze gibt es nicht. Du haftest mit deinem Gehalt, deinen Ersparnissen und mit allem, was du in Zukunft verdienst. Ein Gläubiger kann einen Titel gegen dich 30 Jahre lang vollstrecken.

Bei Sachschäden bleibt das meist überschaubar. Teuer wird es, wenn ein Mensch verletzt wird. Übersiehst du mit dem Fahrrad einen Fußgänger und er kann danach nicht mehr arbeiten, kommen Behandlungskosten, Schmerzensgeld, Verdienstausfall und vielleicht jahrzehntelange Pflege zusammen. Krankenkasse und Rentenversicherung des Verletzten zahlen zunächst und holen sich das Geld anschließend bei dir zurück. Solche Fälle erreichen schnell sechs- oder siebenstellige Summen.

In vielen Ländern ist dieses Risiko anders geregelt, etwa über staatliche Unfallsysteme oder als Baustein der Hausratversicherung. In Deutschland ist es ein eigener Vertrag, und genau deshalb fehlt er bei Neuankömmlingen so oft.

Wusstest du schon?

Die Haftpflichtversicherung zahlt nicht nur berechtigte Forderungen. Sie prüft zuerst, ob du überhaupt haftest, und wehrt unberechtigte Ansprüche auf eigene Kosten ab, notfalls vor Gericht. Gerade wenn du die Sprache und das Rechtssystem noch nicht gut kennst, nimmt dir das viel Arbeit ab.

Wohnungssuche: Was dein Vermieter verlangen darf

Bei Besichtigungen in Großstädten liegt oft eine Mieterselbstauskunft auf dem Tisch, und neben Gehaltsnachweis und Schufa-Auskunft taucht dort häufig die Frage nach der Privathaftpflicht auf. Manche Mietverträge schreiben sie sogar vor. Ein Gesetz, das dich dazu verpflichtet, gibt es nicht, und ob eine solche Klausel im Formularmietvertrag wirksam ist, ist rechtlich umstritten. Den Streit darüber zu führen, lohnt sich bei einem Beitrag von wenigen Euro im Monat aber kaum, wenn du die Wohnung haben willst.

Praktisch heißt das: Schließ die Privathaftpflicht ab, bevor du Wohnungen besichtigst. Die Versicherungsbestätigung bekommst du nach dem Abschluss meist sofort als PDF und kannst sie deiner Bewerbung beilegen.

Die Kaution ersetzt die Haftpflicht übrigens nicht. Bis zu drei Nettokaltmieten darf der Vermieter nach § 551 BGB als Sicherheit verlangen, und beschädigst du etwas in der Wohnung, verrechnet er den Schaden beim Auszug damit. Hast du eine Haftpflicht mit Mietsachschäden, zahlt sie den Schaden, und deine Kaution bekommst du zurück. Wenn dir das Geld für die Kaution gerade fehlt, ist eine Mietkautionsversicherung eine Alternative zum Sparbuch.

Zwei Bausteine, die für Mieter besonders zählen

Billige Tarife unterscheiden sich von guten oft genau an den Stellen, die für Neuankömmlinge in einer Mietwohnung am wichtigsten sind:

  • Mietsachschäden: Läuft die Waschmaschine aus und das Parkett quillt auf, oder fällt dir die Parfümflasche ins Waschbecken und es springt, ist das ein Schaden an der Mietsache. Gute Tarife decken solche Schäden an Wohnräumen. Ausgeschlossen bleiben normale Abnutzung, Glasschäden sowie Schäden an Heizung, Boiler und Elektro- oder Gasgeräten.
  • Schlüsselverlust: Viele Mehrfamilienhäuser in Deutschland haben eine zentrale Schließanlage. Verlierst du deinen Schlüssel, kann der Vermieter verlangen, dass alle Schlösser getauscht werden, und das kostet schnell mehrere tausend Euro. Achte darauf, dass private Schlüssel und auch der Schlüssel oder Transponder von deinem Arbeitgeber mitversichert sind.

Auf welche weiteren Punkte es bei der Tarifwahl ankommt, etwa Forderungsausfalldeckung und Gefälligkeitsschäden, habe ich im Artikel zur Billig-Falle bei der Privathaftpflicht beschrieben.

Reicht deine Versicherung aus dem Heimatland?

Viele Auswanderer bringen eine Haftpflicht aus ihrem Heimatland mit, zum Beispiel als Teil einer Renters- oder Homeowners-Police aus den USA oder einer Hausratversicherung aus Großbritannien. Solche Verträge setzen meist voraus, dass du im Heimatland wohnst, und decken Auslandsaufenthalte nur für Reisen von einigen Wochen oder Monaten. Mit der Anmeldung in Deutschland ist dein Lebensmittelpunkt hier, und der Schutz kann entfallen, ohne dass dir das jemand mitteilt.

Lies die Bedingungen deiner bisherigen Police deshalb genau oder frag beim Versicherer schriftlich nach. Sicherer ist ein deutscher Vertrag, den Vermieter und Geschädigte kennen und der nach deutschem Recht reguliert wird. Die alte Police kündigst du, sobald der neue Schutz steht.

Familie, Partner und Kinder

Ein Familientarif kostet meist nur wenig mehr als ein Single-Tarif. Mitversichert sind dein Ehe- oder eingetragener Lebenspartner und deine Kinder, in der Regel bis zum Ende der ersten Ausbildung oder des ersten Studiums. Unverheiratete Partner im gleichen Haushalt schließen viele Tarife ebenfalls ein, oft musst du sie aber namentlich im Vertrag nennen.

Bei Kindern gibt es eine Besonderheit: Nach § 828 BGB haften Kinder unter sieben Jahren gar nicht, im Straßenverkehr bis zum zehnten Geburtstag. Zerkratzt dein Vierjähriger das Auto des Nachbarn, muss die Versicherung also eigentlich nicht zahlen, und der Nachbar bleibt auf dem Schaden sitzen. Gute Tarife zahlen solche Schäden deliktunfähiger Kinder trotzdem, damit der Frieden im Haus bleibt. Kommt deine Familie erst einige Monate nach dir nach Deutschland, stellst du deinen Vertrag dann einfach auf einen Familientarif um.

Was die Privathaftpflicht nicht abdeckt

Damit du keine falschen Erwartungen hast: Schäden an deinen eigenen Sachen zahlt die Haftpflicht nie, dafür ist die Hausratversicherung da. Schäden durch deinen Hund oder dein Auto laufen über die Hundehaftpflicht und die Kfz-Versicherung, und wer mit dem Auto aus dem Ausland kommt, sollte sich zuvor die SF-Klassen-Falle für Auswanderer ansehen. Ein Pedelec bis 25 km/h ist dagegen in der Privathaftpflicht mitversichert. Fehler im Job deckt die Betriebshaftpflicht deines Arbeitgebers, und als Angestellter haftest du für leichte Fahrlässigkeit im Job nach der Rechtsprechung zum innerbetrieblichen Schadensausgleich ohnehin nicht. Arbeitest du freiberuflich, brauchst du eine eigene Berufs- oder Vermögensschadenhaftpflicht.

Was sie kostet und wie du sie abschließt

Eine Privathaftpflicht für Singles kostet in Deutschland meist rund 40 bis 120 Euro im Jahr, für Familien rund 60 bis 180 Euro. Die Deckungssumme sollte bei mindestens 50 Millionen Euro liegen. Zwischen einem Billig- und einem guten Tarif liegen oft nur 20 oder 30 Euro im Jahr, bei den Leistungen aber ganze Klauseln.

Die Vertragsunterlagen sind immer auf Deutsch, und Bedingungen in juristischem Deutsch sind auch für Muttersprachler keine leichte Lektüre. Als Interessenvertreter vergleiche ich für dich Tarife aus einer breiten Marktauswahl und erkläre dir die Unterschiede auf Deutsch oder Englisch. Den Vertrag hast du danach mit allen anderen Policen in der simplr-App, inklusive Versicherungsbestätigung für den Vermieter. Verlässt du Deutschland später wieder, kündigst du die Haftpflicht zum Wegzug. Welche Versicherungen nach der Ankunft sonst noch wichtig sind, liest du im Artikel Neu in Deutschland.

Checkliste: Haftpflicht nach dem Umzug nach Deutschland

  • Hast du eine Privathaftpflicht abgeschlossen, bevor du Wohnungen besichtigst, und liegt die Versicherungsbestätigung als PDF bereit?
  • Liegt die Deckungssumme bei mindestens 50 Millionen Euro?
  • Sind Mietsachschäden an Wohnräumen und der Verlust privater und beruflicher Schlüssel mitversichert?
  • Hast du geprüft, ob deine Police aus dem Heimatland nach dem Umzug noch gilt, und sie gegebenenfalls gekündigt?
  • Sind Partner und Kinder im Vertrag, auch wenn sie erst später nachkommen?
  • Brauchst du wegen Hund, Auto oder E-Scooter zusätzlich eine eigene Pflicht-Haftpflicht?

Welche Haftpflicht passt zu dir?

Lass uns kurz klären, welcher Tarif zu Wohnung, Familie und Alltag passt, und du hast die Versicherungsbestätigung für deinen Vermieter noch am selben Tag, auf Deutsch oder Englisch.

Unverbindlicher Einstieg: ein kurzer 15-Minuten-Check per Video-Call.