Am 1. Januar 2027 startet das Altersvorsorgedepot, und neue Riester-Verträge gibt es ab dann nicht mehr. Viele Riester-Sparer fragen sich deshalb, ob sie ihren Vertrag noch schnell loswerden sollten. Kurz gesagt: Kündigen ist fast immer die schlechteste der drei Möglichkeiten.
Was sich für bestehende Riester-Verträge ändert
Zunächst gar nichts. Für Riester-Verträge, die bis zum 31. Dezember 2026 abgeschlossen werden, gilt Bestandsschutz. Dein Vertrag läuft mit der bisherigen Förderung weiter: 175 Euro Grundzulage, 300 Euro je Kind ab Geburtsjahr 2008 und 185 Euro für ältere Kinder, sofern du mindestens 4 Prozent deines Vorjahreseinkommens abzüglich der Zulagen einzahlst. Du musst dafür nichts beantragen und keine Frist beachten.
Neu sind zwei Wahlmöglichkeiten. Du kannst innerhalb deines Vertrags auf Antrag in die neue Förderung des Altersvorsorgedepots wechseln, einmalig und unwiderruflich. Oder du wechselst mit deinem Guthaben in einen neuen Altersvorsorgevertrag, ohne die bisherige Förderung zurückzahlen zu müssen. So beschreibt es das Bundesfinanzministerium.
Option 1: Kündigen, und warum das meist Geld kostet
Wer seinen Riester-Vertrag kündigt und sich das Guthaben vor Rentenbeginn auszahlen lässt, verwendet es förderschädlich. Die Zulagenstelle fordert dann alle Zulagen zurück, dazu die Steuervorteile aus dem Sonderausgabenabzug. Die Erträge im Vertrag werden versteuert. Übrig bleibt oft kaum mehr als die eigenen Einzahlungen, bei teuren Verträgen in den ersten Jahren sogar weniger.
Gerade jetzt ist das doppelt ärgerlich. Ab 2027 gibt es mit dem förderunschädlichen Wechsel einen Weg aus einem schlechten Vertrag, bei dem die Förderung erhalten bleibt. Wer vorher kündigt, verschenkt genau diese Möglichkeit. Wenn du nicht mehr einzahlen willst, kannst du den Vertrag stattdessen beitragsfrei stellen und ruhen lassen.
Wusstest du schon?
Ein Rechenbeispiel: Eine Mutter mit zwei Kindern, beide nach 2008 geboren, bekommt seit zehn Jahren die volle Förderung. Das sind 175 Euro Grundzulage plus zweimal 300 Euro Kinderzulage, zusammen 775 Euro im Jahr. Kündigt sie jetzt, muss sie rund 7.750 Euro Zulagen zurückzahlen, dazu eventuelle Steuervorteile. Lässt sie den Vertrag laufen oder überträgt ihn ab 2027, bleibt jeder Euro davon erhalten.
Option 2: Behalten, wann der alte Vertrag die bessere Wahl ist
Nicht jeder Riester-Vertrag ist schlecht. Ältere Verträge haben oft einen garantierten Rechnungszins oder Rentenfaktor, den du heute nicht mehr bekommst. Wer nur noch wenige Jahre bis zur Rente hat, profitiert kaum von der höheren Aktienquote im Altersvorsorgedepot, trägt aber das volle Kursrisiko. Behalten ist vor allem sinnvoll, wenn:
- Die Kosten niedrig sind: Ein günstiger fondsgebundener Riester-Vertrag mit hoher ETF-Quote muss nicht ersetzt werden.
- Die Rente nahe ist: Bei weniger als etwa zehn Jahren Restlaufzeit ist die Beitragsgarantie oft mehr wert als die zusätzliche Renditechance.
- Garantierte Rechnungsgrundlagen im Vertrag stecken: Ein hoher Rechnungszins oder ein fester Rentenfaktor gehen beim Wechsel verloren.
- Dein Einkommen gering ist und du Kinder hast: Im alten System reicht schon ein Sockelbetrag von 60 Euro im Jahr für die vollen Zulagen. Ob die neue Förderung für dich mehr bringt, solltest du vor dem unwiderruflichen Umstieg durchrechnen.
Option 3: Übertragen ins Altersvorsorgedepot
Für jüngere Sparer mit einem teuren Vertrag und langer Restlaufzeit ist der Wechsel meist die interessanteste Option. Im Altersvorsorgedepot kannst du ohne Beitragsgarantie anlegen. Die Grundzulage beträgt dort 50 Prozent auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag und 25 Prozent auf weitere Beiträge bis 1.800 Euro, also bis zu 540 Euro im Jahr, dazu bis zu 300 Euro je Kind. Beim Standardprodukt sind die Kosten gesetzlich auf 1 Prozent pro Jahr gedeckelt.
Auf die Kosten des Wechsels selbst kommt es an. Ab fünf Jahren nach Vertragsabschluss muss dein bisheriger Anbieter den Wechsel kostenfrei ermöglichen, und der neue Anbieter darf höchstens 150 Euro Verwaltungspauschale verlangen. Bei jüngeren Verträgen können Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten anfallen. Und ohne Garantie trägst du das Kursrisiko selbst, auch kurz vor Rentenbeginn.
Was du bis Dezember 2026 tun solltest
- Nicht kündigen: Bis zum Start des Altersvorsorgedepots abzuwarten kostet dich nichts, eine Kündigung dagegen die gesamte Förderung.
- Unterlagen zusammensuchen: Die letzte Standmitteilung zeigt Guthaben, Effektivkosten und Garantie. Das Abschlussdatum entscheidet, ob der Wechsel kostenfrei ist.
- Zulagen prüfen: Kontrolliere, ob du in den letzten Jahren die volle Förderung bekommen hast und ob dein Dauerzulagenantrag aktuell ist, etwa nach der Geburt eines Kindes.
- Keinen Riester-Vertrag aus Torschlusspanik abschließen: Neuabschlüsse sind noch bis zum 31. Dezember 2026 möglich, lohnen sich aber nur in Ausnahmefällen.
Mit der Checkliste zum Wechsel ins Altersvorsorgedepot kannst du deinen Vertrag selbst vorprüfen. Alle Details zur neuen Förderung findest du im Artikel zum Altersvorsorgedepot ab 2027, zum bestehenden System auf der Seite zur Riester-Rente. Als dein Interessenvertreter lege ich deinen alten Vertrag und die neuen Möglichkeiten nebeneinander, bevor du dich festlegst.
Lass dich informieren, sobald das Altersvorsorgedepot startet
Das Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027. Trag deine E-Mail-Adresse ein und ich sage dir Bescheid, wenn es losgeht, mit einem Überblick über die Förderung und die wichtigsten Fristen. Kein Spam, Abmeldung jederzeit. Bis dahin: nutze meine kostenlose Checkliste, um zu prüfen, ob sich ein Wechsel aus Riester für dich lohnt.
Checkliste: Dein Riester-Vertrag vor 2027
- Hast du eine Kündigung ausgeschlossen, solange keine echte Notlage besteht?
- Kennst du Guthaben, Effektivkosten und Abschlussdatum deines Vertrags?
- Weißt du, ob dein Vertrag einen garantierten Rechnungszins oder Rentenfaktor enthält?
- Hast du in den letzten Jahren die volle Zulage erhalten?
- Hast du alte und neue Förderung durchgerechnet, bevor du unwiderruflich umsteigst?